Chromatische Aberrationen….

…in der Fotografie finde ich total nervig. Als geübter Perfektionist stören mich diese Farbsäume, wie man sie auch nennen kann. Gut, niemals wird ein Foto so aussehen, wie man den Ausschnitt mit dem Auge sehen würde – ein Objektiv ist halt einfach nicht so gut wie unser Auge. Letzten Endes sind CA’s, wie Fotografen und Optiker sie nennen, einfach Abbildungsfehler, die durch die Physik des Lichts durch ein optisches Medium entstehen.

Zur Theorie: Jeder kennt es aus der Schule. Licht, das durch ein Prisma geschickt wird, teilt sich darin und dahinter in seine Spektralfarben auf (Regenbogenphänomen). Eine optische Linse, egal ob konvex oder konkav ist inhaltlich dargestellt immer zwei, oder vier aufeinander gestellte Prismen. Die Grafik zeigt den Aufbau einer Bikonvexlinse, wie sie häufig in optischen Systemen wie Fotografieobjektiven vorkommt. Die Technik anderer Linsenformen und -materialien vor und nach solchen Linsen soll die Abbildung von chromatischen Aberrationen vermindern; je weitwinkeliger ein solches Objektiv aber ist, desto höher werden leider auch die farbsäumigen Abbildungsfehler. Ich habe mir die Mühe gemacht, hier mal eine wirksame und relativ zuverlässige, aber unter Umständen auch aufwändige Methode zur Entfernung von CA’s zu zeigen.

Grundsätzlich muss man hierzu wissen, dass CA’s hauptsächlich und am deutlichsten sichtbar an Kanten auftreten, meist an den Bildrändern. Ein weiteres Kriterium ist Licht. Je heller der Hintergrund an einer Kante, bzw. dessen Ausleuchtung, desto zuverlässiger treten die Farbsäume auf.

CA’s sind immer „gegenüberliegende“ Farben, also sogenannte Komplementärfarben, was bedeutet „Rot/Cyan“, „Grün/Magenta“ und „Blau/Gelb“. Mir sind keine weiteren Abbildungen von Aberrationen bekannt. Ich habe mir ein Foto ausgesucht, das ich in Herford aufgenommen habe.

ohne CA-Korrektur

Um die Bearbeitung der hier im Bild sich „Grün/Magenta“ darstellenden Aberrationen besser zeigen zu können, nehmen wir uns aus dem Bild den Ausschnitt des linken oberen Fensters zur Ansicht in groß heraus. Wie hier zu sehen ist, ist die eine Kante immer in grün umsäumt, die andere gegenläufig in magenta.

 

 

Ich gehe in Photoshop folgendermaßen vor, der Einfachheit halber ausgehend davon, dass unser soweit fertig bearbeitetes Bild als abgeschlossene Hintergrundebene vorliegt:

Die Ebene wird dupliziert, also „verdoppelt“ und liegt nun übereinander. Dann übe ich den Filter „Gaußscher Weichzeichner“ auf die obenliegende Ebene aus, und zwar vom Radius her soweit, dass man in der Unschärfe die Farbsäume nicht mehr erkennen kann. Nur so ist im Endergebnis gewährleistet, dass die CA’s komplett verschwunden sind. Lieber den ein oder anderen Pixel höher wählen, es darf aber vom grün und magenta nichts mehr zu erkennen sein!

gesamte Farben verblasst

Anschließend wird die aktive, obenliegende Ebene in den Mischmodus „Farbe“ gesetzt. Die Farben des ganzen Bildes verblassen und die CA’s sind nicht mehr sichtbar. Leider ist unsere Arbeit hier noch nicht zu Ende, da – wie gesagt – die gesamten Farben im Bild ineinandergerechnet verblassen. Das wollen wir ja aber nicht, unser Ziel ist es, lediglich den CA’s – punktuell – den Kampf anzusagen.

Hier helfen wir uns mit einer schwarzen Ebenenmaske. Mit gehaltener ALT-Taste drücken wir auf den Button „Ebenenmaske hinzufügen“, ganz unten im Fenster „Ebenen“. Das ist das weiße Viereck mit dem grauen Kreis in der Mitte. Hier wird mit einer schwarzen Maske der gesamte Bildinhalt ausgeblendet, sichtbar ist also lediglich die untenliegende Hintergrundmaske. Wenn schwarz die aktive Ebene komplett verdeckt, ist logisch, dass weiß sie wieder aufdeckt.

Ebenenmaske

Also aktivieren wir einen Pinsel mit maximal weicher Kante (CA’s haben auch keine harte Kante) und wählen als Farbe „weiß“ und Deckkraft 100 %. Dann malen wir in ausreichender Vergrößerung mit einem Pinsel, der ca. 20 % größer ist, als die Breite der Aberrationen diese genau aus und achten darauf, dass wir dabei auf der Ebenenmaske bleiben und nicht versehentlich auf dem Bild selbst malen. Je nachdem wie dick oder dünn die Kante ist, muss auch die Breite des Pinsels angepasst werden. Ist Photoshop in der Standard-Einstellung, übernehmen das die Tasten „Ö“ für kleiner , und „#/'“ für größer, um schneller beim Malen zu sein.

Vergesst nicht, die Härte der Kante immer auf null zu lassen. Da die Farben grundsätzlich verblassen, würde bei einer maximal harten Kante unter Umständen der Farbunterschied neben den CA’s auch sichtbar werden und unprofessionell wirken. Rote Dachziegel würden dabei eher in rostbraun-grau abweichen, und der Unterschied wäre deutlich sichtbar.

Es gibt deutlich einfachere Optionen, der Farbsäume Herr zu werden, z.B. in Photoshops „Objektivkorrektur“, wo man mit einem einfachen Regler die Farbbalance zwischen den gegenüberliegenden CA-Farben verschieben kann – dummerweise hab ich mit keiner dieser „fertigen“ Möglichkeiten bisher ein akzeptables Ergebnis erzielen können.

Einen kleinen Tipp habe ich noch: Habt ihr Aufnahmen, wo es um Bäume geht, wo sehr viel Geäst für Farbabbildungsfehler sorgt, arbeitet mit einem großen Pinsel und akzeptiert die Veränderung und Verblassung der Farbe im Himmel, achtet aber darauf, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen dem Himmel hinter den Baumästen und dem frei ersichtlichen Himmel gibt. Zwischen den Ästen wirkt die Farbe sowieso blasser, was dazu führt, dass eine zeitsparende, weniger aufwändige, grobe Bearbeitung toleriert werden kann.

Übt ein bisschen, und ich hoffe, das Tutorial war hilfreich und vor allem neu für euch. Wie immer gilt, sendet euer Feedback per Email, Kontaktformular, auf Facebook oder als Kommentar. Ich freu mich drauf.

Zuletzt noch das Endergebnis des Ausschnitts im Vorher-Nachher-Vergleich, der den Unterschied am besten darstellt:

Grüße und allzeit gut‘ Licht!

Sven von s-photo.de

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