…und ihre Grundsätze!

Nachts zu fotografieren hat durchaus seine Vorzüge. Man ist gezwungen, sich deutlich intensiver mit seiner Kamera und ihren Einstellungen auseinander zu setzen, da die klassische „Automatik“ nachts zu keinen guten Ergebnissen führt. Man sieht die Änderungen der Einstellungen direkt, da die Lichtverhältnisse deutlich extremer sind (Sternchenbildung bei geschlossener Blende bei Spitzlichtern) UND: man hat seine Ruhe!

Nachts sind schlicht und ergreifend deutlich weniger Menschen unterwegs und springen vor dem Objektiv herum. Ich empfehle, mit einem befreundeten Fotografen loszuziehen. Sucht euch ein schön beleuchtetes Motiv und achte auf eine klare Nacht. Hier bei mir in der Großstadt ist das immer etwas schwieriger, die Störlichter der Stadt versauen oft die Bereiche des Himmels, wenn es nicht 100%ig klar ist. Als Beispiel (siehe unten) sind anliegende Schiffe die grade beladen werden ein tolles Motiv. Hier wird alles geboten, was auf Bildern super schön wirken kann: Spitzlichter für schöne Sternchen, sich bewegende Kräne und Container, die eine gewisse Bewegung ins Bild bringen, und natürlich das Wasser, das durch die langen Belichtungszeiten nachts sehr ruhig und glatt wirken.

Nachdem ihr eure Kamera auf dem Stativ positioniert habt (Taschenlampe in der Tasche!) bringt ihr einen Fernauslöser an der Kamera an und stellt die Kamera auf Spiegelvorauslösung. So werden Vibrationen durch den Spiegel vermieden. Auch wichtig ist, dass ihr den Lichtschacht abdeckt. Hier fällt sicher einigen Fotografen auf, dass an den meisten Kameragurten vom Hersteller bereits ein kleiner „Nupsi“ angebracht ist, aus weichem Gummi, mit Führungsschienen. Diese passen exakt auf die Führung für die Augenmuscheln. Nehmt diese ab und steckt die Gummiabdeckung über den Sucher. Dies verhindert Streulichter, die über den Lichtschacht auf den Sensor kommen, wenn ihr z.B. hinter euch vorbeifahrende Autos, Taschenlampenlichter etc. habt.

Jetzt könnt ihr im Live-View mode den Bildausschnitt wählen und manuell in der maximalen Vergrößerung den Focus einstellen. Achtet hier darauf, dass das Objektiv auf manuellen Focus eingestellt ist. Das Moduswahlrad steht auf „M“ und der Weißabgleich sollte auch einen festen Wert erhalten (für den Fall von Belichtungsreihen wichtig!). Ebenso wichtig, dass ihr die ISO bei 50 (wenn möglich) oder 100 wählt. Eventuelle Programme in der Kamera zur automatischen Rauschreduzierung schalte ich grundlegend ab. Photoshop kann das besser …

Nun kommt die erste Aufnahme. Die meisten Kameras bieten eine Auslösung bis 30 Sekunden. Hier reicht meist der Selbstauslöse-Timer, meiner steht hierbei auf 2 Sekunden. Ist das Motiv aber dunkel, was bei Nachtaufnahmen durchaus mal passieren kann, benötigt ihr den vorhin bereits erwähnten Fernauslöser. Diese gibt es digital mit Möglichkeiten zur Programmierung, in meinem Fall bin ich hier sehr puristisch und hab nur einen klassischen Fernauslöser mit Knopf und Kabel.

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Nachts am Eurogate / Burchardkai

Dann müsst ihr euch etwas ausprobieren, je nach Motiv, Licht und Umgebung können schöne Effekte auftreten, wenn ihr die Blende öffnet, oder schließt und das mit der Belichtungszeit angleicht. Ich würde jedoch nachts davon abraten, eine hohe ISO zu verwenden. Bilder ohne Licht rauschen sehr leicht und sehr stark. Es kommt nicht selten vor, dass ich Belichtungszeiten von mehreren Minuten habe. Eine Feststell-Option am Fernauslöser bietet mir die Möglichkeit, nicht vier Minuten den Knopf drücken zu müssen.

 

Einen grundlegenden Tipp für eine „passende“ Belichtungszeit kann man an dieser Stelle nicht geben, wie gesagt, probiert euch hier ruhig aus! Es macht durchaus Sinn, pro Motiv mehrere verschiedene Aufnahmen zu testen, ändert die Blende, ändert die Belichtungszeit und seht euch die unterschiedlichen Ergebnisse auf dem Monitor an. Hier lernt ihr am schnellsten die unterschiedlichen Auswirkungen zu verstehen und eignet euch somit wertvolles Wissen über eure Kamera an.